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Industrie 4.0 / Arbeitswelt 4.0

 

Das Themenfeld „Zukunft der Arbeit – Soziale Gestaltung von Industrie 4.0“ bildet einen der Schwerpunkte des Forum Soziale Technikgestaltung. Das Netzwerk will an die Stelle eines nur technikzentrierten und marktorientierten Verständnisses dieses Wandels einen ganzheitlichen Gestaltungsansatz setzen, der mehrere Gesichtspunkte und Interessen bündelt. Dazu gehören:  

- Eine Neuauflage des Denkens im Sinne der „Humanisierung der Arbeit“

- Neue soziale Infrastrukturen der Arbeit als Konzept „Arbeit 4.0“

- Beteiligungsorientierung und Mitbestimmung

- Aufhebung von Entfremdung

- Soziale Gestaltung innovativer Techniken und technischer Innovationen

- Stärkung wissensbasierter Industriepolitik und industrienaher Dienstleistung

- Impulse für die soziale Gestaltung von digital beeinflussten Dienstleistungsbranchen

- Sicherung und Neuschaffung von Beschäftigung

- Neue Impulse in der Identitätsarbeit (Initiative „Identität in der Virtualität“)

- Anforderungen an Arbeitsvermögen, Bildung und Qualifikation

- Umgang mit erhöhter Abstraktion und Komplexität

- Gesellschaftliche Dimensionen und Rahmenbedingungen von „Arbeit 4.0“

- Neuerungen für die gewerkschaftlichen Vorgehensweisen

Das Forum Soziale Technikgestaltung geht bei der Behandlung des Themenfeldes „Industrie 4.0“ von einem weitreichenden und komplexen Wandel aus. „Industrie 4.0“ stellt keine neue Technologie dar. Es ist vielmehr der anspruchsvolle Versuch, alle bereits vorhandenen technischen Einzelbausteine neu anzuordnen, zu verknüpfen und zu integrieren.

Zu den Einzelbausteinen gehören Techniken des „Internets der Dinge“, Smart Factories, Smart Grids, Cyber Physical Systems CPS, RFID, Nanotechnologien, Aktoren, Sensoren, „intelligente“ Kleidung (wearables), „intelligente“ Brillen, „intelligente“ Handschuhe, „intelligente“ Systeme zur Körper- bzw. Bewegungsvermessung, Softwareagenten, Bots, humanoide Robotik, autonome mobile Systeme, Spracherfassungstechniken, Mimikerkennungstechnik, Big Data, Crowd-Plattformen, Cloud Computing, Visualisierungstechnik, Organische Elektronik, Tracking, GPS, Automatisierungstechnik und viele andere mehr.

Wenn nur vereinzelte dieser Techniken isoliert angewandt werden, kann man noch nicht von „Industrie 4.0“ sprechen. Auch der Hinweis auf die zunehmende Digitalisierung oder Virtualisierung von Arbeits- und Geschäftsvorgängen stellt für sich betrachtet noch keine „Industrie 4.0“-Realität dar. Allenfalls lässt sich ein Aufbruch in diese Richtung wahrnehmen.

Von einer Umsetzungsqualität „Industrie 4.0“ lässt sich am ehesten erst dann sprechen, wenn der Prozess der Digitalisierung und Vernetzung, der Virtualisierung und der virtuellen Automatisierung die Dimension einer konzeptionell ganzheitlichen Integration mehrerer Betriebe erreicht hat. Wenn nicht mehr nur der Arbeitsplatz oder die inneren Abläufe eines Betriebes sondern die Sicht auf eine betriebsübergreifende Wertschöpfungskette entsteht. Wenn Zulieferer oder Produktionsstandorte unter der Kundenperspektive „Losgröße Eins“ zu einer flexiblen digitalen und virtuellen Wertschöpfungskette verbunden sind. Mit Automatisierung ist hierbei nicht allein die Maschinenautomation der letzten Jahrzahne gemeint, sondern die beginnende Automatisierung des virtuellen Geschäfts- und Arbeitsraumes.  

Derzeit (Stand März 2015) werden in Betrieben und Forschungseinrichtungen zahlreiche technische Insellösungen, erste Verknüpfungen, Pilotierungen und Konzeptionsarbeiten vorgenommen. Bis zum Normalbetrieb einer funktionierenden Prozesskette wird es noch etwas Zeit benötigen. Doch die „Aufholjagd“ um „Standortvorteile“ hat real begonnen. Das „Zeitfenster“ für Gestaltung ist für eine gewisse Phase offen. Dieses „Zeitfenster“ gilt es zu nutzen. Das Forum Soziale Technikgestaltung will seinen Teil dazu beitragen.